Montag, Juli 13, 2009
Freitag, Juli 10, 2009
Buchvorstellung mit Roman L- Ausgabe 56
Jede Woche Stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Die Rolle meines Lebens

In seinem vierten Buch, dem Werk nach „Nicht so schlimm“, das ich sehr mochte, zeichnet der 1972 geborene und in Madagaskar lebende, französische Schriftsteller Nicolas Fargues das Bild eines Antihelden. Die Vorzeichen: Der fünfunddreißigjährige farbige Schauspieler Antoine wurde von seiner Freundin verlassen, er hat mit der Hauptrolle in „White Stuff“ einen Kassenerfolg gelandet und bekommt von einem alten Schulkameraden per Email die Einladung zu einem kleinen Vortrag über den Hollywoodstreifen „L.A. Crash“.
Seiten gefüllt von engstirnigen Lebenseinstellungen, Eitelkeiten, Sinnsuche und Selbstmitleid, bei dem man sich selbst bisweilen wieder erkennt.
Einige der besten Zeilen:
- Ich umarmte ihn, wie in einem amerikanischen Film, umarmte ihn, um ihm zu zeigen, wie herzlich und offen ich war, und hielt es für angebracht, meinen Überschwang in singendem Tonfall mit lachhaften, wiederum amerikanischen Ausrufen zu begleiten, mit Ausrufen, die absolute friendship bedeuteten: „Heeey! Bernaaard! Waaahnsinn!“
- S. 28
- Aber nichts zu machen, er interessierte mich trotzdem nicht, wahrscheinlich war er mir nicht oberflächlich und nicht verdorben genug.
- Man spielt in Frankreich nicht mit seinen Gefühlen, sondern mit dem Kopf.
- S. 67
- Splitternackt, ohne Haargel und Strom sind wir alle gleich, basta.
- Das sind wenigstens echte Kerle, die haben wenigstens einen Ständer gekriegt und ihn ihr reingesteckt.
- Ich dachte mir das der Kerl in zehn Jahren sein Bluetooth-Ding durch etwas ersetzen würde, was noch zwanzigmal kleiner ist und zwanzigmal soviel Speicherkapazität hat, fünf Jahre später wieder das Gleiche, und dass es ihm jedes Mal das Gefühl geben würde, total auf der Höhe seiner Zeit zu sein, obwohl er in seinem Verlangen, modern zu sein, doch immer dem hinterherhinkt, wonach er bewusst strebt: nach der Leere, das heißt, alles abzuwerfen, was zwischen ihm und der Welt steht.
- Aber vor allem nahm ich die Einladung an, weil mir das Gesunde, Bodenständige und Energische an diesem Mädchen gefiel, dessen Tatkraft auf eine herrliche Abenteuerlust im Bett schließen ließ.
- Das Alter ist ein unerhebliches Ding, das einen nicht loslässt.
- Wir müssen in der Jugend alle unsere Fehler machen, um am Ende zu begreifen, auch wenn es dann zu spät ist.
Fargues neuer Roman liest sich leicht, ist humoristisch und kommt einer erfundenen Autobiographie sehr nahe.
In gewisser Weise ist er wie eine ausformulierte Version des „Romantischen Egoisten“, wobei das Ende zu einem der Besten seit längerer Zeit zählt und das gesamte Buch äußerst lesenswert macht.
Aus dem Französischen von Christian Kolb
221 Seiten, Rowohlt Verlag, 17, 90 Euro.
Heute: Die Rolle meines Lebens

In seinem vierten Buch, dem Werk nach „Nicht so schlimm“, das ich sehr mochte, zeichnet der 1972 geborene und in Madagaskar lebende, französische Schriftsteller Nicolas Fargues das Bild eines Antihelden. Die Vorzeichen: Der fünfunddreißigjährige farbige Schauspieler Antoine wurde von seiner Freundin verlassen, er hat mit der Hauptrolle in „White Stuff“ einen Kassenerfolg gelandet und bekommt von einem alten Schulkameraden per Email die Einladung zu einem kleinen Vortrag über den Hollywoodstreifen „L.A. Crash“.
Seiten gefüllt von engstirnigen Lebenseinstellungen, Eitelkeiten, Sinnsuche und Selbstmitleid, bei dem man sich selbst bisweilen wieder erkennt.
Einige der besten Zeilen:
- Ich umarmte ihn, wie in einem amerikanischen Film, umarmte ihn, um ihm zu zeigen, wie herzlich und offen ich war, und hielt es für angebracht, meinen Überschwang in singendem Tonfall mit lachhaften, wiederum amerikanischen Ausrufen zu begleiten, mit Ausrufen, die absolute friendship bedeuteten: „Heeey! Bernaaard! Waaahnsinn!“
- S. 28
- Aber nichts zu machen, er interessierte mich trotzdem nicht, wahrscheinlich war er mir nicht oberflächlich und nicht verdorben genug.
- Man spielt in Frankreich nicht mit seinen Gefühlen, sondern mit dem Kopf.
- S. 67
- Splitternackt, ohne Haargel und Strom sind wir alle gleich, basta.
- Das sind wenigstens echte Kerle, die haben wenigstens einen Ständer gekriegt und ihn ihr reingesteckt.
- Ich dachte mir das der Kerl in zehn Jahren sein Bluetooth-Ding durch etwas ersetzen würde, was noch zwanzigmal kleiner ist und zwanzigmal soviel Speicherkapazität hat, fünf Jahre später wieder das Gleiche, und dass es ihm jedes Mal das Gefühl geben würde, total auf der Höhe seiner Zeit zu sein, obwohl er in seinem Verlangen, modern zu sein, doch immer dem hinterherhinkt, wonach er bewusst strebt: nach der Leere, das heißt, alles abzuwerfen, was zwischen ihm und der Welt steht.
- Aber vor allem nahm ich die Einladung an, weil mir das Gesunde, Bodenständige und Energische an diesem Mädchen gefiel, dessen Tatkraft auf eine herrliche Abenteuerlust im Bett schließen ließ.
- Das Alter ist ein unerhebliches Ding, das einen nicht loslässt.
- Wir müssen in der Jugend alle unsere Fehler machen, um am Ende zu begreifen, auch wenn es dann zu spät ist.
Fargues neuer Roman liest sich leicht, ist humoristisch und kommt einer erfundenen Autobiographie sehr nahe.
In gewisser Weise ist er wie eine ausformulierte Version des „Romantischen Egoisten“, wobei das Ende zu einem der Besten seit längerer Zeit zählt und das gesamte Buch äußerst lesenswert macht.
Aus dem Französischen von Christian Kolb
221 Seiten, Rowohlt Verlag, 17, 90 Euro.
Labels: Die Rolle meines Lebens, nicolas fargues, Rezension.
Donnerstag, Juli 09, 2009
Mittwoch, Juli 08, 2009
Dienstag, Juli 07, 2009
Montag, Juli 06, 2009
Freitag, Juli 03, 2009
Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 55
Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Ruhm

Daniel Kehlmann, Daniel Kehlmann, Daniel Kehlmann. Jeder kennt den Namen des 1975 in München geborenen Schriftstellers, der mit seinem vierten Roman eine der größten Stückzahlen der Nachkriegszeit abgesetzte. Schwer diese Messlatte auch nur zu halten. Sein neues Werk „Ruhm“ soll, laut Umschlag, ein Roman in neun Geschichten sein. Es handelt von Personen, die in mannigfaltige Lebenssituationen geworfen werden und um den Nutzen der technischen Entwicklung. Als Leser fühlt man hier in einer Dreiecksbeziehung mit, wandelt in den Schuhen eines Schriftstellers, taucht in die Welt eines Bloggers oder sieht sich mit den Gewissenbissen eines Paulo Coelho sehr ähnlichen Menschens konfrontiert, um nur einige zu nennen.
Einige der besten Zeilen:
- Sie hatte ihre Fingernägel in seinen Rücken geschlagen, die Augen einwärts gedreht und sich in seiner Schulter verbissen, und als sie einige kraftraubende Stunden später durch den frühen Morgen heimwärts gefahren war, hatte sie gewusst, dass sie ihn wieder sehen wollte und dass es in ihrem Leben vielleicht Platz für ihn gab.
- Wer nichts erlebt habe, so hatte ihr vor Jahren ein alter Arzt gesagt, der erzähle gern, habe einer aber viel erlebt, habe er plötzlich nichts mehr mitzuteilen.
- Im Gegenlicht ist alles schön.
- Er war ins Bett gekommen und hatte sie auf den Rücken gedreht, und im Halbdunkel unter der Decke waren sie erschöpft und in seltsamer Wut eins geworden.
- S. 57
- Bleiben die Enkel. Niemand interessiert sich für die der anderen, aber man hört zu, damit man Recht hat, von den Eigenen zu sprechen.
- Er hatte schon lange den Verdacht, dass das Fotographiertwerden sein Gesicht abnützte.
- Natürlich bewies es nichts dergleichen, es zeigte bloß, dass Selbstbeobachtung die Persönlichkeit wirr macht, den Willen ablenkt und die Geisteskraft bricht, es bewies, dass kein Mensch, von außen und mit Klarheit gesehen, sich selbst ähnelt.
- Was ist denn besser, die Erde mit Teppich zu bedecken oder sich Schuhe anzuziehen?
- Also Bett und Licht aus und Kissenklammern. Traumolympiade, wie meine Mutter immer sagt.
- Aber die Welt bricht fast jeden, und warum hätten ausgerechnet meine Träume wirklich werden sollen.....
- Wie ging das eigentlich früher vor sich? Wie log und betrog man, wie hatte man Affären, wie stahl man sich fort und manipulierte und richtete seine Heimlichkeiten ein ohne die Hilfe hochverfeinerter Technologie?
Die Idee Personen geschichtenübergreifend auftauchen zu lassen ist sicher nicht neu und bringt das Buch für mich auch nicht zu der Etikettierung „Roman“, jedoch bereitet es riesiges Lesevergnügen. Auch wenn man nicht jede Geschichte mag; herauszuheben ist sicherlich die Einzigartigkeit von „Rosalie geht sterben“; besitzt Kehlmann nicht nur erzählerische Fähigkeiten und große Fantasie, sondern auch einen wunderbar klaren Schreibstil.
203 Seiten; Rowohlt Verlag; 18, 90 Euro.
Heute: Ruhm

Daniel Kehlmann, Daniel Kehlmann, Daniel Kehlmann. Jeder kennt den Namen des 1975 in München geborenen Schriftstellers, der mit seinem vierten Roman eine der größten Stückzahlen der Nachkriegszeit abgesetzte. Schwer diese Messlatte auch nur zu halten. Sein neues Werk „Ruhm“ soll, laut Umschlag, ein Roman in neun Geschichten sein. Es handelt von Personen, die in mannigfaltige Lebenssituationen geworfen werden und um den Nutzen der technischen Entwicklung. Als Leser fühlt man hier in einer Dreiecksbeziehung mit, wandelt in den Schuhen eines Schriftstellers, taucht in die Welt eines Bloggers oder sieht sich mit den Gewissenbissen eines Paulo Coelho sehr ähnlichen Menschens konfrontiert, um nur einige zu nennen.
Einige der besten Zeilen:
- Sie hatte ihre Fingernägel in seinen Rücken geschlagen, die Augen einwärts gedreht und sich in seiner Schulter verbissen, und als sie einige kraftraubende Stunden später durch den frühen Morgen heimwärts gefahren war, hatte sie gewusst, dass sie ihn wieder sehen wollte und dass es in ihrem Leben vielleicht Platz für ihn gab.
- Wer nichts erlebt habe, so hatte ihr vor Jahren ein alter Arzt gesagt, der erzähle gern, habe einer aber viel erlebt, habe er plötzlich nichts mehr mitzuteilen.
- Im Gegenlicht ist alles schön.
- Er war ins Bett gekommen und hatte sie auf den Rücken gedreht, und im Halbdunkel unter der Decke waren sie erschöpft und in seltsamer Wut eins geworden.
- S. 57
- Bleiben die Enkel. Niemand interessiert sich für die der anderen, aber man hört zu, damit man Recht hat, von den Eigenen zu sprechen.
- Er hatte schon lange den Verdacht, dass das Fotographiertwerden sein Gesicht abnützte.
- Natürlich bewies es nichts dergleichen, es zeigte bloß, dass Selbstbeobachtung die Persönlichkeit wirr macht, den Willen ablenkt und die Geisteskraft bricht, es bewies, dass kein Mensch, von außen und mit Klarheit gesehen, sich selbst ähnelt.
- Was ist denn besser, die Erde mit Teppich zu bedecken oder sich Schuhe anzuziehen?
- Also Bett und Licht aus und Kissenklammern. Traumolympiade, wie meine Mutter immer sagt.
- Aber die Welt bricht fast jeden, und warum hätten ausgerechnet meine Träume wirklich werden sollen.....
- Wie ging das eigentlich früher vor sich? Wie log und betrog man, wie hatte man Affären, wie stahl man sich fort und manipulierte und richtete seine Heimlichkeiten ein ohne die Hilfe hochverfeinerter Technologie?
Die Idee Personen geschichtenübergreifend auftauchen zu lassen ist sicher nicht neu und bringt das Buch für mich auch nicht zu der Etikettierung „Roman“, jedoch bereitet es riesiges Lesevergnügen. Auch wenn man nicht jede Geschichte mag; herauszuheben ist sicherlich die Einzigartigkeit von „Rosalie geht sterben“; besitzt Kehlmann nicht nur erzählerische Fähigkeiten und große Fantasie, sondern auch einen wunderbar klaren Schreibstil.
203 Seiten; Rowohlt Verlag; 18, 90 Euro.
Labels: Daniel Kehlmann, rezension, Ruhm





